Genese III – Titel, Zweifel und Selbstverortung

Nachdem rechtliche und technische Mindestbedingungen geklärt waren, rückte eine Frage in den Vordergrund, die zunächst nebensächlich erschienen war, sich aber als zentral erwies: Wie soll dieses Projekt heißen? Nicht als Marketingetikett, sondern als Selbstbeschreibung. Der Titel sollte nicht anziehen, sondern passen.

Die ersten Überlegungen kreisten um Begriffe, die zu eng wirkten. Technisch, spielerisch, thematisch überfrachtet. Ein Titel, der zu viel verspricht, erzeugt Erwartungen, die kaum einzulösen sind. Einer, der zu wenig sagt, bleibt beliebig. Zwischen diesen Polen begann eine tastende Suche, begleitet von Zweifeln, ob ein Titel überhaupt nötig sei oder ob er nicht eher ein unnötiges Korsett darstellt.

In diesem Prozess trat ein grundlegender Selbstzweifel offen zutage. Wozu noch ein Weblog? Wozu eine weitere Stimme in einer ohnehin überfüllten Öffentlichkeit? Die eigene Position erschien klein, randständig, kaum relevant. Diese Skepsis war nicht gespielt. Sie speiste sich aus der Erfahrung, dass Meinungen im Übermaß vorhanden sind, während Zuhören und Nachdenken selten geworden sind.

Gerade daraus entstand jedoch eine Verschiebung. Der Anspruch, „eine Meinung“ zu vertreten, wurde bewusst zurückgenommen. An seine Stelle trat die Idee der Notiz. Vorläufigkeit statt These. Beobachtung statt Stellungnahme. Der Begriff „Beobachter“ bot sich an, nicht als Distanzgeste, sondern als Rollenbeschreibung. Jemand, der hinschaut, festhält, einordnet, ohne sich zum Mittelpunkt zu erklären.

Der Eigenname des Projekts war dabei weniger Selbstdarstellung als Markierung. Er trennt Person und Rolle, ohne sie vollständig zu lösen. Er erlaubt Wiedererkennung, ohne Nähe zu erzwingen. In dieser Kombination aus Name und Funktion entstand eine erste innere Stimmigkeit. Kein großes Programm, kein Versprechen, sondern eine Adresse für fortlaufende Notizen.

Begleitet wurde diese Entscheidung von der Einsicht, dass Sprache hier das zentrale Werkzeug ist. Nicht Bilder, nicht Reichweite, nicht technische Raffinesse. Schreiben als Handwerk, nicht als Performance. Das mag altmodisch wirken, erwies sich aber als entlastend. Der Anspruch sank, die Beweglichkeit stieg.

Der Titel wurde damit nicht zum Abschluss, sondern zum Rahmen. Er definiert nicht, was hier gesagt werden muss, sondern was hier gesagt werden darf. Zweifel, Abschweifung, Unschärfe eingeschlossen. In dieser Offenheit lag der eigentliche Gewinn. Das Projekt bekam einen Namen, ohne sich festzulegen.

Mit dieser Selbstverortung war ein Punkt erreicht, an dem aus Vorbereitung langsam Praxis werden konnte. Der nächste Schritt führte zurück zur Technik, diesmal jedoch nicht als abstraktes Problem, sondern als konkrete Umsetzung des bislang Gedachten.

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